Herzensangelegenheit

Ich hab wirklich lange überlegt, ob ich über dieses Thema überhaupt bloggen soll und irgendwie weiß ich auch nicht richtig, wo und wie ich damit jetzt am besten anfange, aber…. Es ist mein Blog und ich möchte nun einfach meine Erfahrungen in erster Linie für mich festhalten und diese eben auch gern teilen, falls es Dich interessiert, oder Du sogar selbst betroffen bist, wenn du den Weg hierher gefunden hast.

Ich hole mal ein wenig aus.
Vor ca 15 Jahren bemerkte ich, dass mein Herz ab und zu, von jetzt auf gleich, sehr schnell anfängt zu schlagen. Das passiert immer von einem auf den anderen Herzschlag und genau so hört dieses „Herzrasen“, wie ich es immer nenne, wieder auf. Es fühlt sich an, als wenn das Herz kurz stehen bleibt und dann im normalen Rhythmus und Tempo weiter schlägt. Diese Phasen des Herzrasens sind unterschiedlich lang und treten nicht etwa nach Anstrengung oder sowas auf. Manchmal liege ich schon ne Stunde auf der Couch und mit einem Mal fängt es wieder an.

Einmal habe ich es damals in der Berufschule bekommen. Nachdem das Herzrasen ca. 30 Minuten anhielt und mir schwindelig wurde, habe ich mich dort entlassen, bin ca. 45 Minuten mit der Bahn heim gefahren und dann mit dem Auto vom Bahnhof zur Wohnung meines damaligen Freundes gedüst. Er öffnete mir die Tür und hatte natürlich noch nicht mit mir gerechnet. Ich muss schlimm ausgesehen haben, und so ging es mir inzwischen auch. Das war wirklich die längste und schlimmste Erfahrung, die ich damit hatte. Nachdem ich mich dann auf die Couch gelegt hatte und mich etwas beruhigt hatte, hörte es auch irgendwann auf. Das war schon wirklich unangenehm. Je länger diese Phasen dauern, um so schwindeliger wird mir und um so enger fühlt sich mein Brustkorb an.

Ich war nach dieser Erfahrung dann bei mehreren Ärzten, habe zig EKGs, Langzeit-EKGs und Belastungs-EKGs gemacht und niemand hat diese Störung aufzeichnen können. Schlichtweg, weil sie nie unter diesen Bedingungen aufgetreten sind. Immer hörte ich das gleiche: „Es ist eine Reizleiterstörung, die nicht (lebens)gefährlich ist. Man könnte diese Stelle veröden, muss man aber nicht zwingend, wenn Sie damit so weiter leben können.“
Schön und gut. Scharf auf ne OP, auch wenn es ne Kleine ist, bin ich nie gewesen. Also lass ich das mal einfach laufen…

Irgendwann habe ich dann herausgefunden, wie ich dieses Herzrasen durchbrechen und zu 99% stoppen kann. Ich hocke mich dafür hin und atme so tief ein, bis es schon fast weh tut und ich das Gefühl bekomme, dass ich keine weitere Luft mehr aufnehmen kann. Dann halte ich diese Luft fest an und spanne Bauch und Brustkorb fest an. Dadurch scheine ich Druck auf das Herz auszuüben, was dazu führt, dass der defekte Leiter noch einmal stimuliert wird und das Herz dann wieder einen normalen Rhythmus findet. Meine neue Hausärztin hat mir vor wenigen Monaten gesagt, dass man das ValsalvaManöver nennt. Von mir aus. Hauptsache es hilft.

Seit Ende 2017 habe ich dieses Herzrasen aber für meine Verhältnisse wirklich häufig und es schränkt mich inzwischen wirklich im Alltag ein. Vor allem im Umgang mit den Kindern. Nachdem ich dann im November morgens auf dem Weg zur Arbeit innerhalb von 20 Minuten 4 solche Anfälle hatte, als ich im Auto unterwegs war, mir dabei jedes Mal direkt schwindelig wurde und ich anhalten musste, aus Angst, irgendwo vor zu donnern, bin ich dann doch noch mal zu meiner Ärztin gegangen. Sie überwies mich in die Kardiologie. Natürlich. Wie schon 2 Ärzte vorher. Wie oben geschrieben, hatte ich diese ganze Prozedur schon mehrfach durch und hatte wenig Hoffnung, dass sich an meiner Situation irgendwas ändern würde. Sie empfahl mir dann aber noch eine andere kardiologische Praxis, die ich bisher noch nicht kannte. Sie habe mit denen als einzige im Umkreis gute Erfahrungen gemacht und dort solle ich doch bitte noch einmal vorstellig werden.

Ende Januar hatte ich dort dann einen Termin. Der Arzt war super nett und hörte sich alles genau an, machte sich Notizen. Erster Verdacht: AV-Reentry-Tachykardie. Nun gut. Das ist genau das, was die anderen auch gesagt haben. Der Unterschied: Dieser Arzt machte sofort ein Belastungs-EKG, ein Ruhe-EKG, einen Termin für ein 48-Std.-EKG und vor allem, und das war neu, ein Ultraschall vom Herzen. Damit wollte er sicher gehen, dass das Organ an sich nicht fehlerhaft arbeitet und vor allem die Gewebestruktur so in Ordnung ist, dass man dann eben auch was machen kann, wenn man rausgefunden hat, ob diese AV-RT. tatsächlich ist.
Er empfahl mir daraufhin, einen Katheter-Eingriff machen zu lassen, bei dem herausgefunden wird, wo genau dieser fehlerhafte Leiter ist. Dazu wird das Herz so stimuliert, dass das Herzrasen ausgelöst wird und anschließend die Stelle, an der dies auftritt, verödet wird. Er erklärte mir, dass er mir dazu rät, weil es erfahrungsgemäß so ist, dass diese Anfälle mit zunehmendem Alter häufiger und länger anhaltend auftreten. Das habe ich ja leider auch feststellen müssen.

Das 48-Std.-EKG hatte ich ein paar Wochen später und es wurde tatsächlich auch 2 Mal etwas aufgezeichnet, wenn auch nur kurz. Letzte Woche hatte ich dann das Auswertungsgespräch mit dem Dr.
Es ist wie vermutet. Ich habe diese AV-RT und sie soll dann bitte jetzt auch behandelt werden.

Ende März habe ich dazu das Vorgespräch für diese EPU – das ist die Katheter-Untersuchung – mit anschließender Ablation (so nennt man dieses veröden der schadhaften Stelle).

Ich bin fürchterlich nervös und musste das alles jetzt einfach mal los werden. Ich bin gespannt, was die Ärzte in der Klinik zu all dem sagen, ob sie mir auch zum Eingriff raten und vor allem wie das Ganze wirklich dann abläuft und wann ich den Eingriff machen lassen kann. Ich hab keine Ahnung, ob das jetzt innerhalb der nächsten paar Wochen passiert oder vielleicht doch erst in einigen Monaten. Ich werde aber weiterhin darüber bloggen, das tut mir einfach gut. Und vielleicht helfe ich damit am Ende auch noch dem ein oder anderen Leser, der sich hierher verirrt, weil er Erfahrungsberichte dazu sucht… Wer weiß…

Über Nina

Nina. Mama von dem Delfinmädchen (*2010) und der kleinen Qualle (*2016), Ehefrau, Teilzeit-Bürostuhlakrobatin. Schreibt über ihren Alltag, über Dinge, die sie beschäftigen und die sie tut.
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