[Mein Senf zum Thema] „Tabubruch: Ja, ich habe abgetrieben“

Vor wenigen Tagen habe ich auf Ju’s Blog – den ich regelmäßig lese – einen sehr interessanten Beitrag zum Thema Abtreibung gelesen. Eigentlich erzählt sie dort ’nur‘ ihre Geschichte, aber eben aus Sicht einer jungen Frau, die sich für ein Leben ohne Kinder entschieden hat und eben auf ihrem Weg bereits einmal den Weg einer Abtreibung gehen musste.

Eigentlich wollte ich den Beitrag kommentieren, habe mich dann aber dafür entschieden, einen eigenen Post auf meinem Blog dazu zu schreiben, weil ich das Thema wirklich wichtig und interessant finde und auch meine Leser gerne meine Meinung dazu hören bzw. lesen dürfen.

Gestern Abend habe ich dann bei Mary gesehen, dass auch sie einen Artikel über ihr Erlebnis einer Abtreibung geschrieben hat. Ich hatte den Link auf ihrer Facebook-Seite gesehen und mir, nachdem ich den Beitrag auf ihrem Blog gelesen habe, dann auch die Kommentare auf Facebook durchgelesen.
Ich muss wirklich sagen, dass ich gar nicht so viel kotzen kann, wie ich das möchte, wenn ich diese widerwärtigen Kommentare dort lese. Von Menschen, die noch nie in einer solchen Situation waren. Frauen, die selbst Kinder haben und diese wollten und sich deswegen nicht vorstellen können, einen Embryo abtreiben zu lassen. Menschen, die gefühlt über keinen Funken Empathie, Verstand oder Mitgefühl verfügen und die Autorin des Artikels aufs übelste beschimpfen und beleidigen und es dann natürlich auch noch besser wissen.

„Warum hast du dich noch nicht längst sterilisieren lassen, wenn du keine Kinder willst?!“ – So, in unterschiedlichen Formulierungen, heißt es dort vielfach. Ein Gedanke, den man zugegebener weise schnell bekommt, wenn man liest, mit welcher Überzeugung und keinem Hauch von Unsicherheit in dieser Entscheidung Mary (und auch Ju) sich für einen Weg ohne Kinder entschieden haben. Wenn man sich jedoch mal mit dem Thema Sterilisation bei der Frau beschäftigt, weiß man auch, dass das so einfach in Deutschland gar nicht möglich ist. Wenn man unter 30 ist und noch keine Kinder hat, findet man so gut wie keinen Arzt, der diesen Eingriff vornimmt. Da heißt es dann warten. Und sich eine alternative Verhütung suchen. Und wie wir alle wissen, sind die nie zu 100% sicher. Also kommt es eben auch mal vor, dass man ungeplant und in dem Fall auch ungewollt, schwanger wird. Natürlich ist dann für eine Frau ohne Kinderwunsch die einzig logische Konsequenz eine Abtreibung.

Was hat ein Kind davon, wenn die Mutter nicht in der Lage ist, es zu lieben?! Weil es nicht gewollt war. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Kinder misshandelt oder sogar getötet werden, weil die Eltern schlichtweg nicht in der Lage sind, es zu lieben oder weil es eben einfach nicht gewollt war und die Eltern es dann am Kind auslassen. Dann doch bitte so. Dann ist es doch tausend mal besser, wenn man das Leben beendet, bevor es eigentlich angefangen hat.

Ich verstehe einfach nicht, wie man sich so wenig in jemand anderen reinversetzen und nicht akzeptieren kann, dass sich diese Frau eben gegen Kinder entschieden hat und das dann eben auch durchzieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Weg einer Abtreibung, auch unter solchen Voraussetzungen (also der Entscheidung für ein Leben ohne Kinder), ein leichter Weg für diese Frauen ist. Die Entscheidung ist vielleicht einfach. Aber das dann auch durchzuziehen, ohne einzuknicken und ohne diesen Schritt zu bereuen, ist sicher nicht ganz ohne. Und gerade weil diese beiden Frauen, deren Geschichte wir alle lesen durften, keinen Moment an dieser Entscheidung und deren Umsetzung gezweifelt haben und dies auch nicht bereuen, zeigt doch nur, dass es für diese Frauen der richtige Weg war.
Punkt. Da haben wir anderen uns einfach nicht einzumischen. Natürlich ist die Kommentarfunktion dazu da, um sie zu nutzen und unsere Meinung dazu zu äußern. Das ist auch grundsätzlich vollkommen in Ordnung. Aber das sollte doch bitte auf sachlicher Ebene und vor allem respektvoll der Person gegenüber sein, die ihre Geschichte mit uns teilt. Denkt doch bitte mal ein wenig nach, wenn ihr kommentiert. Was habt ihr davon, zu urteilen und die Autorin zu zerfleischen? – Nichts! Aber auch gar nichts!! Und ja – sowas macht mich wirklich wütend.
Diese Menschen sollten sich wirklich schämen, für das, was sie dort von sich gegeben haben.

Ich für meinen Teil könnte mir auch nicht vorstellen, ein Kind abtreiben zu lassen. Ich habe mich aber bewusst für ein Leben mit Kindern entschieden und bin froh, dass ich noch nicht in die Situation kommen musste, in der ich mich für oder gegen ein solch kleines Leben entscheiden musste. Zum jetzigen Zeitpunkt sage ich mir auch, dass ich mir nicht vorstellen kann, eine Situation zu erleben, in der ich mich gegen ein Kind entscheiden muss. Aber wer weiß denn, was noch kommt?! Wer weiß, wie tief man in der Scheiße stecken kann und wie unpassend und ausweglos eine Situation sein kann?! – Niemand. und genau deswegen kann ich nicht ausschließen, dass ich mich nicht vielleicht doch mal gegen ein Kind entscheiden müsste. – Sag niemals nie

Bitte, denkt nach, wenn ihr irgendwas kommentiert. Egal um was es geht. Wir sollten uns immer überlegen, wie man selbst behandelt werden möchte und sachlich bleiben. Meinungen darf man äußern, und das ist auch gut so. Aber zu urteilen, ist nicht unser Recht. Und schon gar nicht, wenn man jemanden nur über das große www kennt und nicht einen Hauch Ahnung über das Leben dieser Person hat.

Über Nina

Nina. Mama von dem Delfinmädchen (*2010) und der kleinen Qualle (*2016), Ehefrau, Teilzeit-Bürostuhlakrobatin. Schreibt über ihren Alltag, über Dinge, die sie beschäftigen und die sie tut.
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